„WhizzKids United“ in Südafrika: Mit Fußball gegen AIDS

Schüler der Kwapata Secondary School kicken bei den Whizzkids
Schüler der Kwapata Secondary School kicken bei den Whizzkids (Foto: Matthew Willman/ Oxfam Australia)

An seinen älteren Bruder erinnert sich Sam ganz genau, obwohl er erst fünf war, als David gestorben ist. David hat ihm das Fußballspielen beigebracht – eben das, was der heute 11-jährige Südafrikaner am meisten liebt. Wie hätte er David vergessen können?

Damals hatte Sam nicht verstanden, warum sein großer Bruder – mit 15 Jahren kam er dem Kleinen unheimlich erwachsen vor – plötzlich nicht mehr da war. Sam weiß aber noch wie heute, dass alle in seiner Heimatstadt Pietermaritzburg nur noch von HIV und Aids gesprochen haben. Den Worten seiner Eltern und Nachbarn hat der Junge verängstigt gelauscht. Und sich immer wieder auf den Bolzplatz geflüchtet, als der Druck unerträglich wurde. Mit dem Lehmboden unter den Füßen fühlte er sich stark. Wäre doch jedes Problem im Leben so einfach zu lösen, wie einen Elfmeter zu verwandeln.

Spielen gegen Sorgen

Das Fußballspielen war Sams universelles Rezept gegen kleine und große Sorgen. Ähnlich ging es anderen Jungen und Mädchen in Sams Schule. So gut wie jeden Nachmittag trafen sich viele Fußballbegeisterte auf dem Sportplatz unweit des Gebäudes der Esigodini-Schule. Sam hat sich dort mal mit Gleichaltrigen ausgetauscht und mal bei erfahrenen Sozialarbeitern Unterstützung geholt. Meist aber hat er einfach nur gespielt und seine Probleme umdribbelt. Ein Projekt von Oxfams südafrikanischer Partnerorganisation Africaid Trust hat dem 11-Jährigen geholfen, nicht nur seine Leidenschaft für Fußball auszuleben, sondern auch den Hunger nach Wissen zu stillen. Und seine Verwirrung um HIV und Aids zu beseitigen.

Jede dritte Schülerin hat HIV

Whizzkids: Gesundheitsausfklärung und Sport (Foto: Matthew Willman/ Oxfam Australia) Foto links: Whizzkids: Gesundheitsaufklärung und Sport (Foto: Matthew Willman/ Oxfam Australia)

Verwirrt war allerdings nicht nur der kleine Sam: 2008, als sein Bruder David starb, empfahl die südafrikanische Regierung noch Olivenöl, Knoblauch und rote Bete zur Behandlung von Aids. Präsident Thabo Mbeki vertrat die Meinung, nicht das HI-Virus, sondern Armut sei die wichtigste Ursache von AIDS. Durch Mbekis Ablehnung von antiretroviralen Medikamenten starben schätzungsweise 340.000 Menschen an AIDS und über 170.000 infizierten sich mit HIV. Vor sechs Jahren war etwa ein Fünftel der Bevölkerung mit dem Virus infiziert. Heute sind dort laut offiziellen Statistiken sechs Millionen Menschen HIV-positiv, also 12 % der Gesamtbevölkerung. Noch erschütternder sind allerdings die Zahlen unter Kindern und Jugendlichen: Vor einem Jahr war knapp ein Drittel aller Schülerinnen und vier Prozent der männlichen Schüler HIV-positiv. Junge Mädchen werden in Südafrika oft gezwungen, ältere HIV-positive Männer zu heiraten: Der Glaube, dass Sex mit Jungfrauen die Krankheit heilen kann, ist noch weit verbreitet.

Kicken für die Aufklärung

Sam hatte Glück: Er ist gesund und seine Welt darf sich noch ganz um Fußball drehen. Der 11-Jährige ist auch ein hervorragender Schütze und genießt den Torjubel unheimlich. Doch seitdem er an dem Projekt von Africaid Trust teilnimmt, geht es in seinem Leben nicht mehr nur ums Kicken und Gewinnen. Es geht um die Kraft des Wissens, um das Miteinander. Und um Selbstschutz. Sam weiß heute viel mehr über Aids und HIV als viele seiner Altersgenossen, weil er einen speziellen Kurs von Africaid Trust abgeschlossen hat. Die Teilnahme an dem Kurs hat ihm die Karte für eine Art „Fußball-WM“ verschafft: die „WhizzKids United“, die parallel zum Fußballfest in Brasilien stattfindet. Zahlreiche Mädchen und Jungen in Südafrika fiebern bei „WhizzKids United“ mit. Und Sam ist ganz stolz darauf, dabei zu sein. Im Mittelpunkt des Programms steht Fußball, aber auch alles, was Kinder und Jugendliche über HIV und Aids wissen müssen.

Gefährlicher Gegenspieler

Sam ist doppelt motiviert und doppelt engagiert. Einmal, weil er Fußball abgöttisch liebt und bei der „WhizzKids United“ mitspielen will. Aber auch, weil er alles über die mysteriöse Krankheit erfahren will, an der sein großer Bruder starb. Obwohl sich der Kurs der Africaid Trust auf den ersten Blick um das runde Leder dreht, geht es vor allem um Themen wie Sexualität, Benachteiligung von Mädchen und Frauen oder sexualisierte Gewalt, die zur Ausbreitung von HIV beitragen. Mädchen und Jungen lernen spielerisch als Team, wie sie ihre Gegner besiegen können – auf dem Feld und im Kampf gegen deutlich gefährlichere Gegenspieler wie etwa HIV/Aids.

Projektmitarbeiterin Nelly Phoswa bei der Aufklärungasrbeit (Foto: Matthew Willman (Oxfam Australia)Projektmitarbeiterin Nelly Phoswa bei der Aufklärungasrbeit (Foto: Matthew Willman / Oxfam Australia)

Die Spielregeln werden auf das Leben übertragen: Man gewinnt, wenn man das eigene Leben verantwortungsvoll in die Hand nimmt und Ansteckung vermeidet. Man gewinnt, wenn man gemeinsam handelt. Die „WhizzKids“ treten als ein starkes Team auf und lernen, dass Gleichberechtigung, gegenseitige Unterstützung und Fairness ebenso gut wie auf dem Fußballfeld auch im Leben funktionieren. Das Programm von Africaid Trust bringt Sam seinen Bruder nicht zurück, es bringt ihn aber weiter. „WhizzKids United“ hilft ihm, den Ballast loszuwerden, den er seit sechs Jahren mit sich herum trägt. Es bringt ihn dazu, die Gründe der Familientragödie besser zu verstehen. Sam geht aus der Erfahrung gestärkt raus. Vielleicht spielt er irgendwann mal professionell Fußball. Ganz sicher aber wird er im Leben ein starker Spieler sein.

OxfamUnverpackt Geschenk FußballDieses Projekt ist ein Beispiel von Oxfams Arbeit im Bereich Gesundheitsfürsorge. Mit Geschenk "Fußball" von OxfamUnverpackt werden dieses und ähnliche Projekte in diesem Bereich unterstützt.

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